Müller-Scharzhof

Mosel (Saar)

Egon Müller

Immer wenn wir von Wiltingen zum Scharzhof pilgern, bedarf es einiger Augenblicke der inneren Sammlung. Es geht darum, bereit zu sein für einen ehrwürdigen Ritus. Einfahrt in den Hof am Fuß des Weinbergs. Der Scharzhofberg. Große Lage, Premium-lage, Kult. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, Läuten am Glöckchen, die Pforte öffnet sich einen Spalt. Eintreten ins Halbdunkel des Foyers, in dem sich ein rundes Marmortischchen befindet. Akkurat im Halbkreis aufgereiht: ein halbes Dutzend Fläschchen im Kleinformat, angefüllt mit hefetrübem Most. Der neue Jahrgang, Rieslingvariationen aus der Krypta unter „dem“ Berg. Kurze Begrüßung, dann sofort Verkostung, hoch konzentriert, schweigend. So geht das jedes Jahr. Im Hinterkopf ständig die Kalibrierung; der Genius Loci wabert durchs Ambiente. Man erinnert sich: 21. September 2015, Auktion in Trier, 12.000 Euro für einen 2003er-Scharzhofberger Riesling TBA, Weltrekord für einen Jungwein, eine Hommage an den vierten Egon Müller. Zurück zu den hefetrüben Mustern aus 2015, keine TBA dabei für die Winzerelite! Schade eigentlich. Aber was spräche gegen das Trio Gutswein – Kabinett – Spätlese? Unser Tipp: Nehmen Sie alle drei!

Scharzhof
Traubenlese
Video: Dallmayr Winzerelite 2013 – Egon Müller